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Der gutbürgerliche Kaufmann Jourdain möchte unbedingt in den Adel aufsteigen und tut einiges für seine dafür notwendige Bildung: Er engagiert einen Tanzlehrer, einen Philosophen, einen Musiklehrer, einen Fechtlehrer sowie einen Schneider nebst Gesellen. Außerdem möchte er seine Tochter Lucile zur Marquise machen indem er sie mit einem jungen Edelmann verheiratet. Diese jedoch liebt Cléante, einen bürgerlichen Kaufmann und die Geschichte nimmt ihren Lauf. Ein verarmter Adeliger und eine Marquise tun ihr Übriges, den gutgläubigen Jourdain um sein Geld zu erleichtern. Durch ein raffiniert ausgeklügeltes Familienkomplott bekommt aber schließlich jeder, was er will. Cléante seine Lucile, Jourdain seinen - allerdings fragwürdigen - Adelstitel. Er wird in einer türkischen Zeremonie zum „Mammamouchi“ ernannt, übrigens eine Wortschöpfung Molières.

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Inszenierung

Das Genre der „Comédie ballet“ bietet Gelegenheit, mit einem barocken Instrumentalensemble Lullys Musik authentisch wiederzugeben und sich mit einem vierköpfigen Tanzensemble und den teilweise erhaltenen Originalchoreographien in historischer Aufführungspraxis Molière weitmöglichst annähern.

Bei seiner Uraufführung am 14.Oktober 1670 kam das Stück bei den Höflingen nicht gut an.

Ein Grund für diese Ablehnung mag gewesen sein, dass die Adeligen in den Spiegel, der ihnen an jenem Abend vorgehalten wurde, nicht blicken wollten. Denn Molière zeichnet Porträts – aber nicht nur schmeichelhafte. Er besitzt eine scharfe Beobachtungsgabe: Ihm wird die Welt zur Bühne, auf der der Mensch mit seinen tragikkomisch-lächerlichen Eigenschaften zur heiter - ernsten, und mitunter erschreckenden Selbsterkenntnis geführt wird. Es ist das Prinzip, das hinter Molières Komödien steckt: Sie zeichnen sich dadurch aus, dass in ihnen eine menschliche Schwäche an einem besonders drastischen Einzelfall aufgezeigt wird.

Die Geschichte des neureichen Monsieur Jourdain ist typisch für die damalige Heuchelei, wirft aber einen auch heute noch aktuellen und amüsanten Blick auf Standesdünkel, Größenwahn oder Machtpolitik und zeigt, wie schmal der Grat zwischen Ehrgeiz und Lächerlichkeit sein kann. Auch wenn der offensichtliche Verlierer des Stücks der bürgerliche Jourdain ist, so ist er doch ein liebenswerter Verlierer. „Ein Mensch, der lernen will, kann nicht ganz und gar lächerlich sein“, sagte auch der französische Regisseur und Schauspieler Jerôme Savary, der mehrfach den Bürger als Edelmann inszeniert hat. Molière betrachtet Monsieur Jourdain gütiger als die durch und durch verdorbene Adelswelt, in die sein Held eintreten will.


Der Bourgeois Gentilhomme verdankt seine Popularität vor allem der berühmten „Turquerie“ des vierten Aktes. Hintergrund dieser Szene ist der Besuch eines Gesandten des osmanischen Sultans Muhammad IV. am französischen Hof im Jahr 1669. Dieser Botschafter soll eine abfällige Bemerkung über einen Empfang in Saint-Germain-en-Laye (einstige Sommerresidenz des französischen Königshauses) gemacht haben: Er erschien ihm zu prunklos. Der gekränkte Ludwig XIV. hat daraufhin Molière und Jean-Baptiste Lully damit beauftragt, in ihr Stück die Persiflage einer Türkenzeremonie einzubauen.

Lullys Musik, die das Stück begleitet, ist vielseitig. Sie reicht vom lockeren Vaudeville, dem Spottlied, über das hölzerne Menuett bis zur pomphaften Janitscharenmusik, der türkischen Militärmusik, und einem großen „Ballet des nations“ mit einer gesungenen Chaconne. Man kann das Stück also mit Fug und Recht als das „erste Musical“ bezeichnen.

Die musikalischen Szenen wurden in der Inszenierung insgesamt etwas gestrafft, das Stück erlangt so Tempo und Drive.

Regie Carola Moritz

Bühnenbild und Design Atelier Fantômas

Kostüme Julia Rühmlingagna mus at, molestiae urna vestibulum ac porttitor.

Vorstellung 

  • 29.07.2017 | 20.30 Uhr | D
armstädter Residenzfestspiele, Innenhof Kollegiengebäude, Luisenplatz
  • 02.09.2017 | 14.30 Uhr | Goethe-Theater Bad Lauchstädt, Kuranlagen Bad Lauchstädt

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